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Sonntag, 06.04.2008 | Drucken |
Kais Kalai – Dienstfahrt für die Freien Demokraten
Kein Geringerer als Dirk Niebel, Bundestagsabgeordneter und FDP-Generalsekretär setzt sich täglich zu ihm - aus unserer Serie „Muslime hinter den politischen Kulissen“
Der 1978 in der Nähe von Nabeul (Tunesien) geborene, mittlerweile deutsche Staatsbürger Kais Kalai, fährt „den Dirk“, wie er ihn nennt. Dazu kommt auch noch Wulf Oehme, der Sprecher des Generalsekretärs. Das Trio Kalai, Oehme, Niebel pflegt im Umgang das kollegiale „Du“.
Fast zeitgleich traten Dirk Niebel und Kais Kalai ihre Ämter an. Der Generalsekretär der FDP im Jahre 2005, seit 2006 arbeitet Kais bei der FDP und ist dort als Fahrer für den Generalsekretär tätig. Auch bei größeren FDP-Veranstaltungen hilft er bei der Organisation von Banketten, Konferenzen oder Parteitagen mit. Das ist für ihn kein Neuland. Schließlich hat Kais Kalai nach der Mittleren Reife den Beruf des Veranstaltungskaufmanns erfolgreich erlernt. Schon zur damaligen Zeit kam er bei Veranstaltungen mit der FDP in Berührung und interessierte sich für das Parteiprogramm. Da Kais nach der Ausbildung als Kaufmann in seinem erlernten Beruf keine Anstellung fand, bewarb er sich um die freie Stelle als Fahrer und wurde eingestellt.
Auf meine Frage, ob er denn als gelernter Eventmanager nichts Schlimmes dabei fände, jetzt einen Dienstwagen zu chauffieren, kommt die Antwort, er wolle niemandem auf der Tasche liegen. Jede „vernünftige“ Arbeit sei besser, als bei den Ämtern um Hilfe zu bitten. Er sei jung, und „das Arbeiten mit Dirk und Wulf mache Freude.“ Wie in jedem Beruf gäbe es Vor- und Nachteile. Oft wisse man nicht, wann Dienstschluss ist. Eine Parlamentssitzung kann länger dauern als erwartet. Am Wochenende hält sich der Bundestagsabgeordnete Niebel in seinem Wahlkreis Heidelberg/Weinheim auf und Termine müssen wahrgenommen werden. Der Vorteil ist, man kenne die Städte. Wenn zum Beispiel eine Veranstaltung in Köln mittags beginnt und man habe so 4 oder 5 Stunden Wartezeit, könne man schnell einen kleinen Stadtbummel unternehmen. „Es gibt wohl kaum eine deutsche Stadt, die ich nicht gut kenne. Das bringt der Beruf eben auch mit“, erklärt Kais. Auch die Tatsache, dass schon so bekannte Politiker wie der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorf seinen Fahrkünsten vertrauten, erzählt er mir. „Wer hat schon solche Gäste?“, fragt er. Gibt es einen Unterschied zu solchen Gästen und seinem jetzigen Dienstherrn, möchte ich wissen. „Na klar! Ich kann doch die ehemaligen Minister nicht duzen.
Bei Dirk ist das möglich.“ Mir fällt immer wieder auf, wie selbstverständlich hier „ vom Dirk“ gesprochen wird, wenn der FDP-Generalsekretär ins Spiel kommt. „Wir sind alle ein Team“, betont der Kraftfahrer. Das macht sich auch auf der Webseite bemerkbar. Wer im Internet den Namen Dirk Niebel eingibt und dann auf der Homepage des Parlamentariers bei „Team Berlin“ nachschaut, sieht Kais Kalai abgebildet.
Dann möchte ich wissen, warum er zur FDP ging. Kais führt aus: “Ich lebe hier. Ich zahle hier Steuern. Ich arbeite hier. Ich bin Deutscher und Muslim.“ Man könne doch nicht einfach irgendwo leben uns sich dann nicht politisch engagieren. Er tue das bei der FDP, sollte jemand anderes sich in einer anderen demokratischen Partei betätigen mit denselben Voraussetzungen wie bei ihm, „dem deutschen Muslim oder dem muslimischen Deutschen“, auch lobenswert. Er sei FDP-Mitglied und wohnt im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Sein Vater kam als Arbeiter nach Deutschland und habe bei Siemens gearbeitet, seine Mutter war in der Nähe vom Bahnhof Zoo als Hausdame im Hotel tätig. Kais Kalai will nicht nur passives Mitglied der Gesellschaft und der FDP sein. Sollte man ihn in seinem „Kiez“, wie der Berliner sagt, fragen, ob er für die FDP mal für das Bezirksparlament von Charlottenburg-Wilmersdorf kandidieren möchte, „dann bin ich dabei. Ich muss mich doch dort, wo ich wohne, zuerst politisch engagieren.“
Da in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist ruht, treibt er in seiner Freizeit Sport. Dann geht es ins Fitnessstudio oder ins Schwimmbad. Soweit die Ausführungen von „dem Muslim hinter den Kulissen“.
Ein Grundsatz lautet „audiatur et altera pars“, „man möge auch die andere Seite hören“. In diesem Fall den FDP-Generalsekretär und Bundestagsabgeordneten Dirk Niebel. Kurz bevor er ans Mikrofon des Hohen Hauses tritt, stelle ich ihm im Bundestag, dem „Herrn Abgeordneten Niebel“ (ohne ihn mit „Dirk“ anzureden )die vielleicht heikle Frage nach seinem Fahrer. Dirk Niebel ist ja auch Vizepräsident der “Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ und Stellvertretender Vorsitzender der „Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe.“ Dirk Niebel sagte: “Ich habe ihn auch darauf aufmerksam gemacht, dass ich diese Ämter habe. Kais machte beim Vorstellungsgespräch einen sehr guten Eindruck und erklärte mir, er sei praktizierender Muslim und lehne Gewalt daher strikt ab. Damit war für mich der Fall klar, ihn zu nehmen.“ „Bei der FDP kann jeder tätig sein- die Religion lassen wir außen vor“, so Dirk Niebel und betont, er sei „mit Kais sehr zufrieden. Das sehr gute Bild, das ich bei der Einstellung von Kais hatte, ist bis heute immer bestätigt worden.“ (Volker-Taher Neef, Berlin)
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