Newsinternational Mittwoch, 30.12.2009 |  Drucken


Mit dem Nacktscanner gegen den Terror

Von Schläfern und geistigen Brandstiftern, die wieder unterwegs sind und warum man die Warnungen des Vaters des mutmaßlichen Attentäters von Detroit nicht ernst nahm

Es ist dem beherzten Eingreifen eines Fluggastes und der technischen Unerfahrenheit eine Bombe überhaupt "scharf" machen zu können zu verdanken, dass der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab seinen Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug in Detroit nicht ausführen konnte. Gott sei Dank.

Abdulmutallab, aus angesehenem Hause stammend, hatte sein Ingenieursstudium in London abgebrochen und seiner Familie mitgeteilt, dass er keinen Kontakt mehr mit ihr wolle. Zudem hat er seinem Vater per SMS zugespielt, von nun an in den Untergrund gehen zu wollen.

Der Vater, ein hochrangiger Bankier in Nigeria, ging daraufhin höchstpersönlich in die US-Botschaft und teilte seine Befürchtungen mit, dass sein Sohn einen Terroranschlag auf die USA verüben könnte. Der Name seines Sohnes wurde daraufhin lediglich auf eine offensichtlich völlig belanglose Liste gesetzt, sein im Jahr 2008 für mehrere Jahre ausgestelltes USA-Visum wurde überhaupt nicht in Frage gestellt.

Es ist kaum nachvollziehbar angesichts Guantanamo und der weltweiten Terror-Hysterie, dass der US-Botschaftsmitarbeiter diesen Vorgang nicht angemessen hoch bewertete und lediglich einen wertlosen Computereintrag angelegt hat, anstatt die Geheimdienste zu alarmieren.

Wie schwer muss es zudem dem Ex-Minister und Vater gefallen sein, seinen eigenen Sohn den US-Behörden auf diese Weise auszuliefern. Aber der muslimischen Familie ging das Wohl unbeteiligter Menschen vor. Deswegen unternahmen sie diesen Schritt. Doch das US-Heimatschutzministerium patzte, trotz massenhafter Aufrüstung durch amerikanische Steuergelder der letzten Jahren.

Und was wird nun diskutiert? WC-Verbot vor Landung, Nacktscannen beim Einchecken oder temporäre Quarantäne nach Landung des Flugzeuges in den USA. Weltweite Sicherheitshysterie zur Jahreswende.

Doch das Naheliegendste vergisst man. Vielleicht hätten die Sicherheitsbehörden einfach mal den Warnungen und Hinweisen, zumal sie auch noch aus den eigenen, beziehungsweise familiären Reihen stammen, professionell nachgehen sollen?!

Und anstatt dass die Politik sich jetzt über den Nacktscanner auslässt, soll sie endlich den Bürgern erklären, wie eine vernünftige Sicherheitsarchitektur gelingt, die auch und gerade in den Muslimen einen Teil der Lösung erkennt, anstatt sie immer wieder öffentlich zu brandmarken und zu diskreditieren.

Wir brauchen jetzt die Sorte Politiker (also das Gegenteil von Wolfgang Bosbach), die der populistischen Versuchung widerstehen und eben nicht die Muslime stigmatisieren und grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich sie in die Nähe des Terrors rücken.

Entgegen dem eigenen Ethos ist leider heute nicht nur in der Boulevarpresse vom "islamischen Terror" die Rede, obgleich dieser Begriff sowohl semantisch wie inhaltlich im völligen Widerspruch steht und damit falsch ist; dennoch erfüllt er einen ganz bestimmten Zweck: Die Trennschärfe zwischen Islam und Terror aufzuweichen. Dies läuft letztlich darauf hinaus, dem Krieg der Kulturen und Völkern weiter Vorschub zu leisten.

Die Terrorhysterie wird jetzt von einigen genutzt, um ungeniert für Krieg der Kulturen zu trommeln und zu werben; dabei lassen diese Leute keine Gelegenheit aus, den Islam als unvereinbar mit der hiesigen Kultur und Gesellschaft darzustellen.

Es wird Zeit diese Personen als geistige Brandstifter und als Schläfer zu enttarnen und endlich dingfest zu machen. Und machen wir uns dabei nichts vor; auch sogenannte Muslime sind ganz bestimmt unter ihnen.(AM)



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