Newsnational Freitag, 08.01.2010 |  Drucken

KRM verurteilt Anschlag auf gestrige Weihnachtsmesse ägyptischer Christen

Vermutlich steckt ein Racheakt hinter dem Attentat – Auch Österreichs Muslime kondolieren koptischen Christen im Alpenland

Es war ein brutaler Anschlag gegen Christen in Ägypten und das auch noch an ihrem orthodoxen Weihnachtstag in der Nacht vom 06.01.2010 in der Ägyptischen Stadt Nag Hamadi. Dabei wurden sieben Menschen getötet und weitere Personen verletzt. Die orthodoxen Kirchen weltweit, die Patriarchie von Jerusalem und die Kopten in Ägypten feierten traditionell am 06.01.09 Weihnachten.

In ein TAZ-Kommentar heisst es dazu treffend: „Es handelt sich nicht, wie im manchen Kreisen in Europa gerne kolportiert, um einen Akt der Christenverfolgung in einem arabischen Land. Dennoch ist der Fall für die Gesellschaft des bevölkerungsreichsten arabischen Landes mehr als alarmierend: Die Täter wollten offensichtlich einen Fall rächen, bei dem ein Christ mutmaßlich ein 12jähriges muslimisches Mädchen vergewaltigt haben soll.“




Nach dem Anschlag kommt die Zwietracht. Wem nutzt er? Den Muslimen und Christen jedenfalls nicht

Deutschlands Muslime verurteilen feigen Akt

Die im KRM vertretenen muslimischen Religionsgemeinschaften der Muslime in Deutschland (ZMD, IR, DITIB und VIKZ) haben sich von diesen internen Ränkespiele nicht beirren lassen und eine klare Aussage getroffen und machen ihre Bestürzung über den schrecklichen Anschlag deutlich.

Der Sprecher des KRM, Bekir Alboğa, hat diesen Angriff aufs Schärfste verurteilt: „Synagogen, Kirchen und Moscheen sind Gotteshäuser. An diesen sakralen Orten kommen Gläubige zusammen und verrichten ihre Gebete und hoffen auf die Barmherzigkeit Gottes. Übergriffe wegen Andersgläubigkeit finden in keiner Religion eine Berechtigung.“

Alboğa sagte weiter: „Der Islam schreibt uns vor, die Würde aller Menschen zu achten und zu schützen und für die Bewahrung und Gewährung der Religionsfreiheit überall auf der Welt einzutreten. Besonders betrübt uns, dass dieser Übergriff im Zeitraum der höchsten christlichen Feierlichkeiten stattfand. Übergriffe und Anschläge unter Missbrauch der Religion sind inakzeptabel und aufs Schärfste zu verurteilen.“ Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen. Der koptischen Gemeinde in Ägypten und in Deutschland gebührt unser tiefstes Beileid.

Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) hat das auf das Schärfste verurteilt.Wörtlich heißt es da in der Erklärung: „Wir möchten insbesondere den Kopten in Österreich unser aufrichtiges Mitgefühl und Beileid aussprechen. Es ist eine schöne Geste, dass nun schon seit etlichen Jahren auch muslimische Vertreter zum orthodoxen Weihnachtsfest der Kopten eingeladen werden. Diesen Geist gegenseitiger Anerkennung und Respekts suchen wir als Gläubige unterschiedlicher Bekenntnisse zu leben"



Lesen Sie dazu auch:
Die Geschichte vom Muslim, der Weihnachten stehlen wollte: Analyse zur Berichterstattung über Qaradawi und das angebliche Weihnachtsverbot - Kommentar von Tarafa Baghajati

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