Newsnational Montag, 06.09.2010 |  Drucken


Findet städtische Iftars ein gute Sache: Sadiqu Al-Mousllie

Immer mehr Städte und ihre höchsten Repräsentanten laden die Muslime zum Iftar ein

Braunschweig: Oberbürgermeister lud 120 Muslime zum gemeinsamen Fastenbrechen ein – die Sozialministerin Özkan kam auch. Von Sadiqu Al-Mousllie

Einige Städte Deutschlands mausern sich in diesen Tagen zu ganz besonderen Orte der Begegnung; dann nämlich, wenn der erste Repräsentant der Stadt zum Iftar einlädt. So geschehen in Braunschweig, wo Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann die Muslime zum gemeinsamen Fastenbrechen in der besten Lokalität – den Donrse-Saal – willkommen hiess

Zuvor haben seine Amtsvertreter in Wuppertal, Hanau Krefeld oder in Düren – um nur einige beispielhaft zu nennen – diesen Weg des besonderen respektvollen Miteinanders gewählt.

120 Gäste darunter auch die Sozialministerin Özkan und viele Vertreter der Stadt und der Vereine waren anwesend. In seinem Grußwort unterstrich OB Dr. Hoffmann, dass die Idee eines gemeinsamen Fastenbrechens organisiert von der Stadt, von einem Muslim kam. Die Umsetzung dieser Idee ermöglicht einen Dialog unter den verschiedenen Gemeinden und der Stadt. Er betonte im Zusammenhang mit den Sarrazin-Äußerungen, dass die Muslime ihren Platz in der Gesellschaft haben. Diesen Platz macht ihnen niemand streitig.

Ministerin Frau Aygül Özkan sprach über gezielte Integrationsmaßnahmen im vorschulischen Alter. Ganz besonders wichtig wäre die bilinguale Sprachförderung. Diese ebnete ihr persönlich den Weg der Integration und erleichterte die Kommunikation mit der Mehrheitsgesellschaft.

Vertreter der christlichen Gemeinden sprachen über einen sehr gelungenen Dialog durch die gemeinsamen Fastenbrechen. Der Rabbiner Sievers betonte, dass es keine Alternative zum Dialog gebe. Im Zusammenhang mit den Sarrazin-Äußerungen zeigte sich der Rabbiner nicht gelassen: „Herr Sarrazin zog die biologische Karte“. Dies sei eine gefährliche Entwicklung. Weiterhin äußerte sich der Rabbiner gegen die Islamophobie, die vermehrt zu beobachten sei.

Die muslimischen Vereine waren schon von Anfang an bei der Organisation des Abends beteiligt. Sie stellten eine dreigliedrige Präsentation vor. Frau Attia stellte die Geschichte von Muslimen in Braunschweig seit 1958 vor. Dazu wurde die Geschichte von dem Inder Dr. Ahmed Rafeeq der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Braunschweig- I.G.B erläutert. Herr Aykut G. stellte den zweiten Teil über die Aktionen und Integrationsmaßnahmen der Gegenwart. Im dritten Teil stellte Dr. Al-Mousllie - Vorstandsprecher der Islamischen Gemeinschaft Braunschweig – I.G.B Vorschläge und Maßnahmen für die Zukunft vor. Die Aufmerksamkeit des OB Dr. Hoffmann galt einem Vorschlag mit dem Titel „Politisches Forum“. Dieser Vorschlag wurde bereits von der I.G.B in Kooperation mit anderen muslimischen Vereinen umgesetzt. Dabei diskutierten Fünf Parteien mit den Muslimen über ihre Wahlprogramme. Besonders erwähnenswert sei hier die rege Beteiligung der Jugendlichen an der Organisation und Durchführung.

Die Reaktionen und Eindrücke auf diesem Abend waren durchaus positiv. Manche äußerten den Wunsch dieses Novum in Deutschland auszuweiten und besonders in Braunschweig nächstes Jahr zu wiederholen. (Sadiqu Al-Mousllie, Arzt und Vorstandssprecher der islamischen Gemeinschaften Braunschweig – IGB)



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