Islamische Gelehrte weltweit veurteilen Anschlag
Scheich Tantawi spricht von einem "ungerechten Angriff gegen friedlichen Leute. Der Islam sagt, dass die Strafe denjenigen treffen soll, der die Tat begangen hat, und zwar nur dann, wenn es sichere Beweise dafür gibt."
Kairo - Der Scheich der einflussreichen Kairoer Al-Azhar-Moschee, Mohammed Said Tantawi, hat die USA vor einem vorschnellen Vergeltungsschlag gegen mutmaßliche Terroristen gewarnt. Eine Bestrafung der Täter sei zwar generell erlaubt, sagte Tantawi am Montag in Kairo, aber «der Islam sagt, dass die Strafe denjenigen treffen soll, der die Tat begangen hat, und zwar nur dann, wenn es sichere Beweise dafür gibt». Solche sicheren Beweise hätten die amerikanischen Behörden bis zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht geliefert.
Scheich Tantawi, der zu den wichtigsten Autoritäten des sunnitischen Islam gehört, verurteilte die Terrorwelle in den USA aufs Schärfste: «Wir betrachten das, was in New York und Washington geschehen ist, als einen ungerechten Angriff auf friedliche Leute. Wir Moslems stehen auf der Seite derjenigen, denen Unrecht zugefügt worden ist.» Der Scheich betonte, der Koran gestehe Moslems und Nichtmoslems, die ohne eigene Schuld angegriffen würden, das Recht zu, sich selbst zu verteidigen.
Die Selbstmordattentate der Flugzeugentführer in den USA seien ungerechte Terrorakte, die der Islam ablehne. Dies gelte auch für Selbstmordanschläge von Palästinensern, die sich selbst in die Luft sprengten und dabei unschuldige Zivilisten, Frauen und Kinder mit in den Tod rissen. Anders beurteilte Tantawi Anschläge auf israelische Soldaten. Wer sein Leben im Kampf gegen die Besetzer seines Landes verliere, sei ein Märtyrer, sagte er.
Der Scheich erklärte, falls sich herausstellen sollte, dass Osama bin Laden tatsächlich für die Terroranschläge in den USA verantwortlich sei und sich die Taliban trotzdem weigerten, ihn auszuliefern, dürfte Afghanistan dafür von Washington bestraft werden. «Es besteht kein Zweifel, dass ein Land bestraft werden soll, wenn es einen Terroristen beherbergt, gegen den ein Urteil vorliegt», sagte Tantawi. Dazu zitierte er ein arabisches Sprichwort: «Wer einen Wolf aufzieht, wird am Ende von dem Wolf gefressen werden.»
Der Großmufti von Saudi-Arabien, Abdelasis al Scheich, hatte zuvor bereits alle islamischen Rechtsgelehrten dazu aufgerufen, die wahre Lehre des Islam zu verbreiten und der Welt zu zeigen, dass ihre Religion Terrorakte wie in New York und Washington ablehne. Derartige Selbstmordanschläge seien nach der islamischen Scharia (Rechtslehre) eine schwere Sünde.
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