Newsinternational Freitag, 01.12.2017 |  Drucken

Entsetzen über Trumps Verbreitung antiislamischer Videos

"Die wahre Bedrohung für Staat und Gesellschaft komme nicht von Muslimen, sondern gehe direkt von der US-Regierung"

Washington/London (KNA) Die Weiterverbreitung islamfeindlicher Videos durch US-Präsident Donald Trump stößt bei führenden US-Muslimen auf scharfe Kritik. Man sei "schockiert, aber nicht überrascht" über die Aktion des Präsidenten, sagte der Exekutivdirektor des Rates für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR), Nihad Awad, am späten Mittwochabend (Ortszeit) in Washington. 

Zuvor hatte auch der anglikanische Primas von England, Justin Welby, die Aktion Trumps verurteilt. Es sei "zutiefst beunruhigend, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten entschieden hat, die Stimme rechter Extremisten zu verstärken", schrieb der Erzbischof von Canterbury auf Facebook. 


Der US-Präsident hatte am Mittwoch via Twitter drei antiislamische Videos der rechtsextremen Partei Britain First kritiklos an seine 43,5 Millionen Follower weitergeleitet. 
Trump schüre Gewalt, so CAIR-Direktor Awad gegenüber dem "Religion News Service". Hassreden führten jedoch zu Hassverbrechen, warnte er. Auch Lakshmi Sridaran, Direktorin einer Lobbyorganisation der südasiatischen Amerikaner (SAALT), betonte, die wahre Bedrohung für Staat und Gesellschaft komme nicht von Muslimen, sondern gehe direkt von der US-Regierung aus. Ähnlich kritisch äußerte sich Ilhan Cagri vom Muslim Public Affairs Council: Dass Trump die Hetz-Videos verschicke, zeige, dass er sich mit extremistischen Ansichten identifiziere, so Cagri.

Eines der Videos zeigt etwa, wie ein Jugendlicher auf Krücken im niederländischen Monnickendam angeblich von einem muslimischen Einwanderer verprügelt wird. Später stellte sich heraus, dass der Schläger weder ein Muslim noch Migrant war. 

Ein zweiter Film hält fest, wie mutmaßliche Anhänger der ägyptischen Muslimbrüder in Alexandria einen 19-Jährigen von einem Hausdach warfen. Einer der Täter erhielt dafür später die Todesstrafe; das Urteil wurde zwei Jahre später vollstreckt.

Das dritte Video, das Trumps Aufmerksamkeit auf sich zog, stammt von 2013 und wurde vermutlich in Syrien aufgenommen. Zu sehen ist ein muslimischer Extremist, der eine Marienstatue auf dem Boden zerschmettert. 

Anfang November hatte ein britisches Gericht die Herausgeberin der Website von "Britain First" und Vize-Parteivorsitzende Jayda Fransen wegen Beleidigung einer Muslimin zu einer Geldstrafe verurteilt. Fransen reagierte erfreut auf die Aktion des US-Präsidenten. Sie twitterte: "Gott segne Trump! Gott segne Amerika!"

Die britische Premierministerin Theresa May hatte Trumps Video-Weiterleitung scharf verurteilt. Die "vorurteilsbeladene Rhetorik" von "Britain First" sei "die Antithese zu jenen Werten, die dieses Land repräsentiert: Anstand, Toleranz und Respekt". 

Trump konterte inzwischen per Twitter, May solle sich nicht auf ihn konzentrieren, sondern auf den "zerstörerischen radikalen islamischen Terrorismus" im Vereinigten Königreich.




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