Newsnational Mittwoch, 04.04.2018 |  Drucken

Der Zentralrat der Muslime ist bereit, bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen für die Anerkennung als Religionsgemeinschaft

In einem längeren Interview mit der Zeitschrift Chrismon hat der Vorsitzende Aiman Mazyek zu zahlreichen Fragen zur aktuellen Situation und der Zukunft des Islam in Deutschland Stellung bezogen.

Insbesondere machte Mazyek deutlich, dass im Fall des Religionsunterrichts in NRW noch nicht das letzte Urteil gesprochen wurde und dass der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) bereit ist, bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen, um die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft zugesprochen zu bekommen.

"Die Beschlüsse unseres Gelehrtenrats sind für alle verbindlich"

Auch die Ansiedlung theologischer Lehrstühle an Universitäten, wie aktuell an der Humboldt-Universität Berlin, wäre ein weiterer Schritt zur Etablierung der islamischen Theologie in Deutschland. Es ist der Schlüssel für eine fundierte Imamausbildung in Deutschland. Mazyek betont dabei die Wichtigkeit der muslimischen Verbände als Religionsgemeinschaften bei der Beteiligung an den Lehrstühlen. Nur so kann eine Lehrautorität und Akzeptanz bei den Muslimen sichergestellt werden. Die Imamausbildung sollte vergleichbar der Ausbildung von Pfarrern und Priestern bei den Kirchen ablaufen. Sie soll gemeinsam von der Religionsgemeinschaft und der Universität durchgeführt werden. In der Ausbildung könnten die jungen Leute dann zu 50 Prozent von einer Gemeinde finanziert werden, zu 50 Prozent durch den Staat, da sie als Lehrer tätig sind. So wäre die Neutralität des Staates nicht angetastet

"Die eine Hälfte der Ausbildungskosten könnten die Moscheegemeinden tragen, die andere der Staat - die Neutralität bleibt bestehen"

Letztlich bleibt das Ziel die Anerkennung muslimischer Organisationen als Körperschaften des öffentlichen Rechts. Der politische Wille zur Umsetzung ist seit Jahren sehr dünn. Der ZMD ist bisher so gefahren, dass er von Klagen abgesehen hat und wie in Hamburg, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen unter anderem auf Staatsverträge und gemeinsame Vereinbarungen setzt. Das ist aber inzwischen in der muslimischen Gemeinschaft sehr umstritten, weil die Ergebnisse mehr als bescheiden sind und ursprüngliche Vereinbarungen nicht eingehalten werden.

Das vollständige Interview ist hier (Link) nachzulesen.




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