Newsinternational Freitag, 24.08.2018 |  Drucken

Halbe Million Rohingya-Kinder ohne Hoffnung und Perspektive

Die Hilfswerke sprechen von insgesamt fast einer Million Flüchtlinge, von denen mehr als die Hälfte Kinder seien - etwa 6.000 unbegleitete Rohingya-Kinder -  angespannte Lage habe sich durch die starken Monsun-Regenfälle verschlechtert

Bonn (KNA) Die Situation der Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch ist vor allem für die Kinder verheerend. Ein Jahr nach der Flucht der muslimischen Minderheit aus Myanmar haben am Mittwoch mehrere Hilfsorganisationen auf die Notlage aufmerksam gemacht. Die Hilfswerke sprechen von insgesamt fast einer Million Flüchtlinge, von denen mehr als die Hälfte Kinder seien.

Die Zukunft dieser Kinder stehe nun auf dem Spiel, warnte das UN-Kinderhilfswerk Unicef in einem am Mittwoch in New York veröffentlichten Bericht. Ohne Zugang zu Bildung könnte hier eine "verlorene Generation" von Kindern heranwachsen. Auch das Hilfswerk SOS-Kinderdörfer beklagt eine ausweglose Situation der Jungen und Mädchen: "Sie sitzen in überfüllten Flüchtlingslagern fest, ohne Perspektive auf eine Rückkehr in ihre Heimat, ohne Zugang zu Bildung, ohne Chance auf eine Zukunft."

Viele der Kinder lebten ohne Eltern im Flüchtlingslager - etwa 6.000 unbegleitete Rohingya-Kinder zählt das Hilfswerk Save the Children laut einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung. Für viele der Kinder sei nach einem Jahr klar, dass es keine Hoffnung mehr auf eine Wiedervereinigung mit ihren Familien gebe. Ohne den Schutz ihrer Eltern seien die Waisen einem erhöhten Risiko von Ausbeutung und Misshandlung ausgesetzt. "Sexuelle Gewalt, Zwangsverheiratung und Kinderhandel sind in den Lagern an der Tagesordnung", erklärte eine Sprecherin von SOS-Kinderdörfer.

Mehrere Hilfsorganisationen sind im Einsatz, um von Gewalt und Missbrauch traumatisierten Kinder in Schutzzentren zu betreuen. Dort erhielten sie psychosoziale Unterstützung, so die Kindernothilfe. Hilfswerke wie Ärzte ohne Grenzen kümmern sich auch um eine physische Versorgung. Die Organisation behandelt eigenen Angaben zufolge Patienten stationär, hilft bei Geburten oder versorgt Menschen mit Impfungen.

Die angespannte Lage habe sich durch die starken Monsun-Regenfälle verschlechtert, berichten die Hilfswerke. Manche Teile des Lagers sind laut Kindernothilfe überschwemmt, Wege nicht mehr passierbar. Ärzte ohne Grenzen berichtet von Todesfällen, weil Menschen an Hängen abgerutscht oder in Wasserlöchern ertrunken seien.Daher fordern die Organisationen Verbesserungen. Die Regierungen von Myanmar und Bangladesch sollten Flüchtlinge dabei unterstützen, sicher in ihre Heimat zurückzukehren, forderte Care. Bisher gäbe es kaum Fortschritte, die Rückführung der Rohingya politisch zu regeln, kritisiert die Kindernothilfe. Zugleich appellierten die Hilfswerke an die internationale Staatengemeinschaft, ihre finanzielle Unterstützung auszuweiten. "Von den benötigten 950 Millionen US-Dollar steht erst ein Drittel zur Verfügung", erklärte ein Sprecher von Save the Children.

Die gewaltsame Vertreibung der muslimischen Minderheit durch die Armee von Myanmar begann vor etwa einem Jahr am 25. August 2017. Die UN werfen Myanmar eine "systematische ethnische Säuberung" vor. Laut Ärzte ohne Grenzen ist das Lager in Cox's Bazar mit fast einer Million Flüchtlingen das "inzwischen größte Flüchtlingslager der Welt".




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