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Samstag, 18.06.2005

Auf dem Markusplatz geplante Kunst-Installation "Cube Venice 2005" wurde verboten - Wo sind die Verfechter der Kunstfreiheit?

Nadeem Elyas: Skulptur verletzt religiöse Gefühle nicht - "Es ist nicht verboten, die Kaaba darzustellen"

Jetzt sind die Verfechter, die im Namen der Kunstfreiheit aufstehen und sich für solch ein Projekt gewohnt stark machen, gefragt. Ob sie wohl diesmal für "ihre Kaaba" ähnlich eintreten, wie zuvor für provokante Schriftstellerwerke und Künstler, die berühmte Malernachnamen haben? Kunst soll und kann provozieren, so ist zu lernen, um auf etwas aufmerksam zu machen. Dies ist dem Künstler der Skulptur schon jetzt gelungen, obgleich Staat die Aufstellung vorerst verboten hat.

Das bei der Biennale in Venedig verbotene Kunstwerk von Gregor Schneider verletzt im übrigen die religiösen Gefühle von Muslimen nicht. «Es ist nicht verboten, die Kaaba darzustellen. Es gibt Darstellungen in Hülle und Fülle», sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, in einem dpa-Gespräch. Die Darstellung des Künstlers sei «mit Ehre und Würde» geplant gewesen. Es gebe keinen Grund zur Besorgnis.

Die italienischen Behörden hatten die für den Markusplatz geplante Installation «Cube Venice 2005» unter Hinweis auf eine mögliche Provokation von Muslimen abgelehnt. Schneider hatte in Anlehnung an die Kaaba als wichtigste Kultur und Pilgerstätte des Islams einen 15 Meter hohen schwarzen Metallwürfel entworfen.

Der Würfel hätte «mit Sicherheit» eine Diskussion über den Islam ausgelöst, sagte Elyas. Er bedauerte das Verbot: «Die Entscheidung ist nicht förderlich für den Dialog zwischen Muslimen und Christen.» Die Darstellung auf dem Markusplatz wäre womöglich eine Provokation Christen und nicht Muslime gewesen.
Und für letzteres, man höre und staune, scheint so mancher noch nicht reif und bereit zu sein. Wie es im umgekehrten Fall jedoch ausgegangen wäre, kann sich jeder gut und „plastisch“ vorstellen.(dpa/Hany Jung)