Newsnational Donnerstag, 12.12.2019 |  Drucken


Hat die Hauptstadt zu wenig Grabflächen für Muslime?

Es gibt immer noch keine genaue Anzahl der verstorbenen Muslime bsp. aus dem letzen Jahr

Jährlich finden in der Bundeshauptstadt Berlin rund 30.000 Bestattungen statt. Berlin verfügt über 181 Friedhöfe. Die größten Friedhofsbesitzer sind das Land Berlin sowie die Evangelische Kirche. Kleinere Religionsgemeinschaften verfügen ebenso über eigene Friedhöfe. Die jüdische Gemeinde besitzt in Berlin drei, die russisch-orthodoxe Gemeinde besitzt einen Friedhof. Landeseigene Friedhöfe stehen allen Menschen unabhängig von Konfession und Weltanschauung offen. Nun können ja bereits zu Lebzeiten die Angehörigen einer bestimmten Religion den Wunsch geäußert haben, die letzte Ruhestätte möge ein Friedhof der eigenen Religionsgemeinschaft sein. Dann stellt sich die berechtige Frage: Gibt es für jede Religion und deren Angehörige eigentlich genügend Platz auf deren Friedhöfen?

Dieser Frage ging Marcel Luthe (FDP) nach. Der Politiker aus dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gehört dem Berliner Abgeordnetenhaus an und stellte dazu kürzlich im Berliner Landtag eine Parlamentarische Anfrage. Unsere Redaktion sprach mit Marcel Luthe über seine Motive zu dieser Parlamentarischen Anfrage. Im Pressegespräch teilte Marcel Luthe mit: „Einmal mehr steckt der Senat den Kopf in den Sand und ignoriert demographische Entwicklungen. In meinem Wahlkreis, nämlich in der Brienner Straße in Wilmersdorf, befindet sich seit fast 100 Jahren die älteste Moschee Deutschlands, wodurch den spirituellen Bedürfnissen im Leben Sorge getragen wurde. Aber auch nach dem Leben müssen Berliner jeden Glaubens in unserer Stadt zu Hause sein können.

Der Senat muss hier rechtzeitig Angebote schaffen und einfach mal ein paar Jahre vorausplanen." Staatssekretär Stefan Tidow von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz teilte dem Abgeordneten auf dessen Parlamentarische Anfrage u. a. mit, es gibt in Berlin überhaupt keine Statistik, wie viele Verstorbene muslimischen Glaubens ins Ausland überführt werden.  Der Staatssekretär sagte ferner: „Angenommen wird, dass die Zahl der Überführungen im Laufe der Jahre aufgrund abnehmender Bindung zu den Herkunftsländern sinkt.“ Marcel Luthe fragte konkret nach „dem Gesamtbedarf in ha an Friedhofsflächen für islamische Bestattungen“ speziell „für die Jahre 2020, 2030 und 2040 aktuell und wo sollen diese wann entwickelt werden?“ Die Senatsverwaltung konnte nur auf über 30.000 bereits im letzten Jahr stattgefundene Beerdigungen in der Bundeshauptstadt verweisen.

„Wie viele Verstorbene hiervon muslimischen Glaubens sind, ist nicht erfasst. 441 Verstorbene dieser Glaubensrichtung wurden 2018 auf den gesonderten islamischen Grabfeldern beigesetzt. Darüberhinausgehend sei erwähnt, dass ein Teil der Muslime schon jetzt die bestehenden Angebote auf landeseigenen oder evangelischen Friedhöfen nutzt, auch wenn auf diesen keine gesonderten Grabfelder für Bestattungen nach islamischem Ritus ausgewiesen sind.“ Für Stefan Tidow steht somit fest: „Es stehen damit ausreichende Flächen für islamische Bestattungen zur Verfügung, die überwiegend Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft bieten.

Zusätzlich werden weitere Friedhofsflächen in Berlin auf ihre Eignung für islamische Bestattungen geprüft, sodass auch langfristig der Bedarf gedeckt werden kann.“ Diese Angaben sind allgemeiner Natur und sehr vage, konkretes Zahlenmaterial kam aus der Senatsverwaltung nicht. Die Aussagen wie „es wird geprüft“ und „langfristig Bedarf gedeckt“ sind keine numerischen Angaben. Es war ja die Senatsverwaltung selbst, die dem Abgeordneten Luthe auf dessen Parlamentarische Anfrage geantwortet hatte, man erfasse ja gar nicht bei den 30.000 Bestattungen aus dem Jahre 2018 deren Religionszugehörigkeit.

Der Abgeordnete Luthe erklärte im Pressegespräch auch, er werde das Thema „islamische Grabstätten in Berlin“ weiterhin im Auge haben und durchaus weitere Anfragen an den Berliner Senat zu diesem Thema stellen. Wie sagte er doch? „Aber auch nach dem Leben müssen Berliner jeden Glaubens in unserer Stadt zu Hause sein können.“ (Volker-Taher Neef, Berlin)




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