Newsinternational Freitag, 18.10.2002 |  Drucken

Prominenter Islamgelehrter Yusuf Al-Qaradawi verurteilt den unvorstellbar grauenvollen Bombenanschlag auf Bali - "Der Islam verbietet jeden Angriff auf unschuldige Menschen"

Besonders schockierend für Al-Qaradawi: erstens, es traf unschuldige Touristen und zweitens, es passierte in einem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung

Doha, 15. Okt. Der prominente islamische Gelehrte, Scheich Yusuf Al-Qaradawi, brandmarkte das Bombenattentat von Bali als ein grauvenvolles Verbrechen, "welches nichts anderes darstellt als eine völlige Barbarei ohne jeglichen moralischen Anspruch oder menschliche Gefühle." Er betonte: "Islam verbietet nicht nur, friedliche Nichtmuslime anzugreifen, sondern fordert die Muslime auf, sie mit Respekt und Ehrerbietung zu behandeln, besonders wenn sie gemeinsam mit Muslimen innerhalb eines islamischen Territoriums leben.

Beinahe unnötig zu erwähnen, dass die in Bali passierte Tragödie, wo durch Bombenexplosion über 100 Touristen ums Leben gekommen sind, nichts anderes darstellt als ein unbeschreiblich grauenvolles Verbrechen. Juristisch ausgedrückt, handelt es sich um ein schweres Verbrechen, das Aufruhr im Lande hervorruft; eine Tat, auf die im Islam eine schwere Strafe steht ohne Rücksicht auf Herkunft oder Religion der angeklagten Seite.

Der Islam ruht auf dem Schutz der Unverletzlichkeit von fünf Dingen, die als primäre Ziele der Scharia gelten: Religion, Leben, Eigentum, Eltrn/Abstammung und Verstand/Vernunft. Der Islam sieht eine abschreckende Bestrafung für diejenigen vor, die es wagen, die Unverletzlichkeit dieser Werte anzutasten. Hier sind alle Muslime aufgerufen, gemeinsam und entschieden gegen jegliche Unterdrückung und Übertretung vorzugehen, ohne einen Unterschied zu machen, um welche Opfer, welcher Herkunft es sich handelt, seien es unschuldige australische Touristen oder benachteiligte Palästinenser oder irgend andere Personen auf dieser Welt."

Er machte klar, dass das Verhalten einiger Menschen nicht zu Lasten ihrer Religion gehen darf. Al-Qaradawi sagte in diesem Zusammenhang: "Selbst, wenn der Beweis erbracht würde, dass der Anschlag auf Bali von Muslimen geplant und ausgeführt wurde, kann der Islam dafür nicht verantwortlich gemacht werden.
Es muss klar unterschieden werden zwischen der islamischen Lehre einerseits, welche solche Anschläge verbietet, und den Taten mancher Muslime, die eine engstirnige und einseitige Sicht vom Islam haben. Wenn immer Muslime so handeln, dass sie die islamische Lehre verletzen und verunglimpfen, so schaden sie damit dem Islam und den Muslimen um ein Vielfaches mehr als die erklärten Gegner des Islam, die unerbittlich und rastlos tätig sind.
Die Rechte der im Schutz eines islamischen Staates lebenden Nichtmuslime sind nicht nur die Tinte auf dem Papier wert, sie sind unveräußerliche Rechte.
Bei der Abschiedspilgerfahrt deklarierte der Prophet - Friede und Heil auf ihm - das Prinzip, nach dem des Menschen Leben, sein Eigentum und seine Würde unantastbar sind bis zum Tag des Jüngsten Gerichts. Dieses Gebot gilt nicht nur für Muslime sondern ebenso für Nichtmuslime, so lange jene die Muslime nicht bekriegen. Selbst im Krieg erlaubt der Islam nicht die Tötung von am Kampf unbeteiligten Personen, nämlich Frauen, Kinder, Alte und Mönche, die sich nur der Gottesverehrung hingeben.

Im Islam hat der Begriff - das Ziel rechtfertigt die Mittel - keinen Platz. Den Muslimen ist es nicht gestattet, für ein gutes Ziel üble Mittel und Wege zu benutzen.

Ob das rechte Wissen des muslimischen Juristen, der wahre Geist der muslimischen Zivilisation oder die mehrheitlich moderate Strömung der islamischen Gemeinschaft: sie alle lehnen kategorisch ohne Unterschied solche furchtbaren Verbrechen gegen die Menschheit ab, die im Kern nichts anderes sind als pure Barbarei, bar jeder Moral und menschlicher Gefühle", betonte der prominente Islamgelehrte.






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