Newsinternational Samstag, 29.10.2005 |  Drucken

Islamische Verbände gehen zu den Aussagen des iranischen Präsidenten auf Distanz

Mehrheit der Muslime gegen "Al-Quds"- Demonstration

(iz/dpa) Der Islamrat und Zentralrat der Muslime in Deutschland und viele andere muslimische Organisationen distanzieren sich von der am Sonnabend in Berlin stattfindenden Al-Quds-Demonstration.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat die Drohung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad verurteilt, «Israel aus der islamischen Welt zu tilgen». Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrates, sagte der «Bild am Sonntag»: «Diese Aussage ist inakzeptabel und schadet bei der Suche nach Lösungen für die Konflikte im Nahen Osten. Wir erwarten von jedem Staat, dass er das Völkerrecht respektiert und die Lebensrechte anderer Staaten achtet. Dies gilt sowohl für Israel in Bezug auf das palästinensische Volk, als auch für den Iran in Bezug auf Israel.»

«Ich finde, diese Demonstration ist für das Zusammenleben nicht förderlich», sagte Islamrats-Vorsitzender Ali Kizilkaya der Netzeitung. Natürlich würde die Mehrheit der Muslime die Demonstration meiden. Ahmadinedschads Worte seien «nicht hinnehmbar» und erschwerten das Zusammenleben von Muslimen und Juden. «Das Misstrauen wird dadurch erhöht», sagte Kizilkaya zu den Auswirkungen auf das Verhältnis von Muslime und Juden in Deutschland. «Es wird der Eindruck erweckt, die jüdischen Gemeinden wären Gegner der Muslime.» Der Al-Quds-Marsch am Sonnabend in Berlin ist nach Ansicht der Mehrheit der Muslime kein geeignetes Mittel der Auseinandersetzung, betonte Kizilkaya. «Ich finde, die Auseinandersetzung sollte politisch geführt werden». "Der öffentliche Protest gegen Israel schüre antisemitische Tendenzen" so Kizilkaya abschließend.

Die Organisation Muslim Lawyers beklagte in der "Islamischen Zeitung" zudem, dass auf verschiedenen Demonstrationen im Iran auch Selbstmordattentäter verherrlicht wurden: eine Praxis die von der absoluten Mehrheit der Muslime abgelehnt und von den meisten islamischen Juristen als nicht-islamische Verhaltung beurteilt wird.





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