Istanbul: Scharia- Bank im Fadenkreuz der Terroristen
spiegel.de: „Die HSBC-Banker erfüllen das Klischeebild vom eiskalten, westlichen Kapitalisten noch am wenigsten“
London - Dass sich Bombenleger gegen die Privatbank richten würden, damit hatte wohl niemand gerechnet. Denn anders als viele westliche Großbanken, so berichtet spiegel.de, hat die HSBC in der jüngsten Zeit besonders auf die Bedürfnisse der Muslime reagiert. Bis zum Ende des Jahres, so die Ankündigung, sollte die in Singapur ansässige Tochtergesellschaft Keppel Insurance neue Versicherungspolicen entwickeln, die mit der islamischen Scharia in Einklang stehen.
Traditionelle Versicherungen laufen dem islamischen Recht zuwider, weil Versicherungsprämien und Verzinsung ein Element von Spekulation enthalten. Gemäß der Scharia dürfen Muslime keine Zinsen annehmen oder gewähren (gewöhnliche Bankkontos, Kredite und Obligationen sind also verboten), nicht für Leistungen bezahlen, die sie in der Zukunft nur vielleicht erhalten (dies schließt Derivate und Versicherungen nach westlichem Muster aus), und nicht in Unternehmen investieren, die verbotene Tätigkeiten ausüben (etwa Alkoholherstellung und -verkauf, Schweinefleisch, Glücksspiel und Kreditwesen) oder die zu stark über Kredite finanziert sind.
Doch auch wenn das neue Angebot dazu dienen soll, neue lukrative Geschäftsfelder zu eröffnen - die HSBC-Banker erfüllen das Klischeebild vom eiskalten, westlichen Kapitalisten noch am wenigsten. Stephen Green, der erst seit kurzem die HSBC leitet, vermittelt nicht das Bild eines Bankers, der nur hinter dem Geld her rennt. Der Literatur- und Opernfreund beschäftigt sich auch intensiv mit moralischen Aspekten seiner Arbeit. Anregungen hierzu bezieht er regelmäßig durch des Leküre von Werken des russischen Autors Fjodor Dostojewski.
Das Weltbild von Green findet seine Entsprechung in der Firmenkultur, die die HSBC weltweit auszeichnet. Überdimensionierte Gehälter, die das Gefüge der Konkurrenten massiv durcheinander wirbelten, gibt es bei der HSBC nicht, Bonuszahlungen fließen nur spärlich. Die über die ganze Welt verteilten Niederlassungen und Tochtergesellschaften sind sorgfältig gegeneinander austariert, so dass keine davon zu großen Einfluss gewinnt. Gleich fünf Sprachen genießen den Status als "Amtssprache" in Konferenzen. Greens Motto: "Die Bank muss sich ständig ändern, weil die Welt sich ständig ändert".
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