Newsinternational Mittwoch, 28.03.2007 |  Drucken

UN-Bericht erneuert Kritik am deutschen Schulsystem

Die UN hat ihre Kritik am deutschen Bildungssystem bekräftigt. Benachteiligung von Schülern aus Einwandererfamilien beklagt.

UN-Sonderberichterstatter Vernor Munoz forderte die Bundesregierung zum Umsteuern auf. Die Teilung in Haupt- und Realschule sowie Gymnasium sei selektiv und könne zu faktischer Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen führen. Bund und Länder wiesen die Einwände zurück und lehnten die von Munoz geforderte Überprüfung des dreigliedrigen Schulsystems als überflüssig ab.
In seinem vor der Vollversammlung des Menschenrechtsrates in Genf vorgestellten Stellungnahme erklärte Munoz, die Aufteilung auf den jeweiligen Schultyp erfolge auf keiner angemessenen Grundlage und benachteilige Kinder mit sozial schwachem Umfeld und aus Einwandererfamilien. Ähnliche Kritikpunkte hatte der Costaricaner bereits nach einer Deutschlandreise vor einem Jahr geäußert.
Die Bundesregierung und die Kultusministerkonferenz erwiderten, das allgemeine Bildungsniveau sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und im internationalen Vergleich hoch. Sie wiesen den Vorwurf zurück, Schüler aus Migrantenfamilien und Behinderte seien benachteiligt. "Eine bewusste bildungspolitische Ungleichbehandlung von Kindern mit Migrationshintergrund ist nirgends in Deutschland erkennbar." Die Bundesrepublik hatte schon in internationalen Vergleichsstudien wie der Pisa-Untersuchung relativ schlechte Noten für das Bildungsniveau der Schüler erhalten.
Nach Meinung des Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Jürgen Zöllner, bietet das Schulsystem genügend Durchlässigkeit. Entscheidend für die Chancen der Kinder sei nicht die Diskussion über die Schulform, sondern die Konzentration auf die Bedürfnisse der Schüler, sagte er Zöllner.
Die Grünen werten den Munoz-Bericht als Warnschuss für die Bildungspolitik. "Unter allen entwickelten Ländern haben wir eines der ungerechtesten Schulsysteme. Es zementiert soziale Unterschiede", erklärte die Vorsitzende Claudia Roth. Das dreigliedrige System müsse abgeschafft werden. Nach Meinung der Linkspartei müssen Bund und Länder gemeinsam eine Strategie zur Neuordnung des Bildungssystems entwickeln.





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