Newsnational Donnerstag, 31.05.2007 |  Drucken

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Mannheim: Muslime für einen kritischen Dialog mit der EKD

Vorurteile und Klischees dürfen nicht weiter bedient werden – Spitzentreffen zwischen EKD und KRM

Am gestrigen Mittwoch trafen sich auf Einladung des Koordinationsrates der Muslime (KRM) dessen Vertreter mit der Spitze der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) zur Fortsetzung des Dialoges in der Mannheimer Sultan Selim Moschee. An dem Treffen nahmen u.a. der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Dr. Wolfgang Huber sowie die Vorsitzenden der im KRM vertretenen Verbände und sein Sprecher Ayyub Axel Köhler teil.

Die muslimischen Vertreter machten deutlich, dass die Handreichung für den Dialog mit Christen eher einen Rückschritt bedeute, als ein Fortschritt und dass man dennoch zum Dialog keine Alternative hat und das direkte Gespräch mit Vertretern der evangelischen Amtskirche trotz aller Rückschläge weiterhin suchen werden.

Erwartungsgemäß nahm die EKD keine Passage aus ihrem umstrittenen Text zurück und wies die Kritik des KRM, die vor einer Woche zum Papier Stellung genommen hat, zurück, (siehe Anhang).
Die zum Teil erheblichen Irritationen und das Unverständnis über das Papier der EKD konnten bei dem Treffen allerdings nicht ausgeräumt werden. Viele Muslime empfanden die Empfehlung der EKD als eine Förderung von Klischees und Vorurteilen gegenüber Muslimen.
Der KRM hatte in seiner damaligen Stellungnahme kritisiert, dass eine unzulässige Nähe hergestellt wird, wonach der Glaube zur Intoleranz und Gewalt verleite. Auch seitens prominenter Christen wurde die EKD-Handreichung kritisiert.

Trotz der recht hitzigen und kontroversen Diskussion, die im geschlossenem Rahmen fast zwei Stunden andauerte – ganz im Geiste des kritischen Dialoges - traf die Bemerkung von Bischof Huber, dass „das Gespräch war von Klarheit und guter Nachbarschaft geprägt" sei, auf allgemeine Zustimmung.

Einig war man sich auch, dass in Zukunft durch Veröffentlichungen die Scharfmacher und Hardliner auf beiden Seiten kein Zulauf mehr bekommen dürfen. „Wir wollen die Vorurteile vieler Menschen nicht bestätigen, wonach Religionen gefährlich für den Frieden in Gesellschaft und in der Welt sind“, warnte dann auch der Sprecher des KRM, Axel Ayyub Köhler.

Der KRM schlug dann die Bildung einer gemeinsamen Kommission zur Bewertung bisheriger Dialoginitiativen vor. Köhler sprach hierbei von einem „Dialog durch und mit der Tat“. Angedacht wird seitens des KRM auch eine Ausweitung auf einen Trialog zusammen mit jüdischen Vertretern.
Spätesten nach einem Jahr will die EKD den KRM in einm Folgetreffen einladen.



Lesen Sie dazu auch:
Stellungnahme des Koordinierungsrates der Muslime (KRM) zur Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

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