Syrischer Brückenbauer auf Deutschlandtour - Großmufti Scheich Ahmad Hassoun für einen Islam deutscher Prägung
Treffen mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland in Berlin und Gebet in der Ditib-Sehitlik-Moschee
Scheich Ahmad Badr Al-Din Hassoun, Großmufti von Syrien, gilt als ein Islam-Vertreter, der wegen seiner liberalen Ansichten nicht selten aneckt. Er setzt sich z.B. in einem in der Frankfurter Rundschau erschienenen Interview ausdrücklich für einen Islam in Deutschland ein, der fern ab von arabischen oder türkischen Interessen sein soll und wo die Imame in Deutschland ausgebildet werden sollen. Er fordert mehr Respekt gegenüber Frauen mit Kopftuch und erhebt sich gegen ein Kopftuchzwang. Emanzipierte Forderungen, die selbst von einigen Muslimen in Deutschland mehr Beachtung finden könnten.
Der Brückenbauer Scheich Ahmad will keine Kollision zwischen Muslimsein und der westlichen Welt sehen und weiß dass der Islam in Wahrheit alles andere als militant ist: „Der Koran befiehlt keine Tötung, keine Zerstörungen, keine Massenvernichtung. Attentate von Bali über Bagdad bis New York haben mit Religion nichts zu tun“, sagte er noch vor ein paar tagen der Rheinischen Merkur. Er erklärt sich für die Trennung von Politik und Religion und ist ein entschiedener Gegner der ideologischen und politischen Instrumentalisierung des Islam.
Scheich Ahmad wirbt für den Dialog, Frieden und Toleranz zwischen den drei monotheistischen Religionen. In Marburg hat er während eines Religionsgespräches mit katholischen und evangelischen Bischöfen sowie dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde diskutiert. Knieend hat er in der Elisabethkirche gebetet.
Es ist die erste Deutschlandreise des Großmuftis von Syrien, als einer von nur sechs Großmuftis in der Welt.
Die elftägige Deutschlandtour begann mit einem längeren Aufenthalt in Marburg, geht weiter nach Münster, Berlin, Hannover und Aachen. Immer mit an seine Seite: Der Botschafter Syriens Hussein Omran. Marburg deshalb ganz zu Beginn, weil in der Marburger Philipps-Universität in Kürze das neue Zentrum für Nah- und Mitteloststudien eröffnet wird und diese ist eine Partnerschaft mit der Hochschule von Damaskus eingegangen.
Der Mufti will auf seine Reise nicht nur Würdenträger und Honoratioren treffen. Mit Charme und Witz präsentierte sich Ahmad Hassoun einer Gruppe Jugendlicher: "Mein Beruf ist es, seelische Probleme zu lösen und dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Kulturen gut miteinander leben können", erklärt der 58-Jährige einem Journalisten des Giessener Anzeiger gestern.
Morgen (25.10.07)geht es nach Berlin weiter, dort wird er den Vorstand des Zentralrates der Muslime in Deutschland mit u.a. seinem Vorsitzenden Ayyub Axel Köhler treffen und in der Berliner Sehitlik-Moschee (DITIB) das Mittagsgebet (13.00 Uhr) gemeinsam beten.(AIMAN A. MAZYEK)
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