Imam der Russländischen Föderation mit Bittgebet für Tataren, Indern und Baschkiren
Auf dem Zehrensdorfer Friedhof gedachte er der tausenden Muslime, die während des ersten Weltkrieges in Gefangenschaft gerieten oder getötet wurden
Wünsdorf - Mit gen Himmel geöffneten Händen steht Ahmet Aliyewitsch Babikow vor dem Tatarenstein auf dem Friedhof Wünsdorf.
Im Gebet vertieft, gedenkt er der tausenden Muslime – Tataren, Indern und Baschkiren –, die hier während und nach dem ersten Weltkrieg in Gefangenschaft lebten und auch der Toten, die hier in fremder Erde die letzte Ruhe fanden.
Laub harkend beobachtet Waldemar Fröse die Szene. Neun Monate im Jahr hält er das Gelände in Ordnung. Über Gäste des Friedhofes freut er sich und erst recht, wenn er mit ihnen russisch sprechen kann. Denn Fröse kam vor sieben Jahren aus Nowosibirsk nach Zossen.
Aus Anlass der Feierlichkeiten zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan ist der Imam der Großen Moschee von Moskau und Gesandter der Muftiversammlung der Russländischen Föderation für eine Woche nach Deutschland gereist.
Er wolle Kontakte knüpfen, sehen wie die Muslime in Deutschland den Ramadan begehen und tatarische Landsleute treffen, erzählte Babikow. Nach Wünsdorf kam er, weil er in Moskau von der Spendenaktion für den sogenannten Tatarenstein gehört hatte. Initiiert wurde das Vorhaben von der in Berlin lebenden Tatarin Venera Gerassimov-Vagisova.
Sie sammelte bereits mehr als 5000 Euro für die Restaurierung des Steins. Denn wie an Hindus und Araber der britischen Armee erinnernd, steht auch für die muslimischen Verstorbenen unter den Kriegsgefangenen der Armee des Zaren ein Gedenkstein, nach dem Ersten Weltkrieg hier aufgestellt.
Diesem waren die Spuren vergangener Jahrzehnte deutlich anzusehen und mit Hilfe des gesammelten Geldes soll er wieder in altem Glanz erstrahlen. Und das scheint möglich zu sein. Denn die Sanierungsarbeiten an dem Gedenkstein in Wünsdorf haben begonnen.
Zufrieden ob der Sorgfalt, mit der in Deutschland seine toten Landsleute bedacht werden verabschiedet sich Imam Ahmet Babikow von Wünsdorf. Termine in Berlin stehen nun an. Der Großmufti der Muslime Russlands wird die Aktion weiter verfolgen und, wenn die Spendenbereitschaft weiter anhält, im nächsten Jahr einen völlig renovierten Friedhof vorfinden können mitsamt einem neu kolorierten Tatarenstein.
"Allah bersä" – so Gott will– spricht Ahmet Babikow lächelnd. Er hat die Gewissheit, dass Waldemar Fröse das Gelände zusammen mit seiner Kollegin pflegen wird.
Historisch überliefert ist, dass allein im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Mühlenlager Zossen 12 000 Muslime aus Russland, vor allem Kasan-Tataren, aber auch christliche Georgier und Armenier lebten. An sie erinnert auf dem Zehrensdorfer Friedhof eine bronzene Stele, der Tatarengedenkstein.(Quelle: A.Hotopp & M. Hotopp-Riecke, erstmalig veröffentlicht in der Märkische Allgemeine Zeitung)
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