Newsnational Dienstag, 03.07.2018 |  Drucken


Islamwissenschaftler Fuat Sezgin gestorben

ZMD: "Er hat sich wahrhaft verdient gemacht um die Belange der Menschen, der Muslime und der Wissenschaft im Lichte der Erkenntnis des Allmächtigen"

Der renommierte Islamwissenschaftler Fuat Sezgin ist tot. Der 93-Jährige starb am Wochenende in Istanbul. Sezgin, der mit seiner Frau im hessischen Kronberg lebte, gründete 1982 das Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften an der Universität Frankfurt am Main, dessen langjähriger Leiter er war. Das Institut widmet sich dem Beitrag des arabisch-islamischen Kulturkreises zur Geschichte der Wissenschaften.

Sezgins umfangreiche, mehrbändige "Geschichte des arabischen Schrifttums" wurde zu einem vielzitierten wissenschaftshistorischen Standardwerk. Der 1924 im anatolischen Bitlis geborene Islamwissenschaftler lehrte nach seiner Promotion zunächst in Istanbul.

Nach dem Militärputsch von 1960 verlor er seine Lehrerlaubnis und ging deshalb nach Deutschland. Während seiner Forschungen trug er eine große Anzahl an Objekten und Geräten aus der Astronomie, Physik, Geometrie, Optik, Geographie, Chemie, Nautik, Medizin, Architektur, Kriegstechnik und Mineralogie aus der islamischen Welt zusammen. Sie werden heute in Museen und Ausstellungen in Deutschland und der Türkei gezeigt.


Sezgin war wissenschaftlicher Experte des IslamPavillon (ZMD) auf der Expo2000 in Hannover. Insbesondere die Ausstellung "Islam und Wissenschaft" hätte nicht ohne sein Sachverstand und die Ausleihe seiner Exponate nicht umgesetzt werden können.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD) Aiman Mazyek schrieb dazu in einem ersten Nachruf: "Unendlicher Schmerz über diesen Verlust, den Verlust an Menschlichkeit als Ehemann und Vater, an Geisteskraft für der Welten Forschung. Er wird uns alle fehlen. Er hat sich wahrhaft verdient gemacht um die Belange der Menschen, der Muslime und der Wissenschaft im Lichte der Erkenntnis des Allmächtigen." (siehe auch Nachruf auf Facebook)

Sezgin wurde mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet. 2001 erhielt er das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Den Hessischen Kulturpreis lehnte er im Jahr 2009 ab, weil er nicht zusammen mit Salomon Korn, dem damaligen Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, ausgezeichnet werden wollte, dessen Äußerungen zum Gaza-Krieg er ablehnte.

Seine letzten Lebensmonate wurden von unwürdigen Handlungen Dritter überschattet, die laut einer Pressemitteilung seiner Tochter Hilal Sezgin, vielen bekannt als TAZ-Kolumnistin und Tierrechtsaktivistin, recherchierte dass Dritte versuchten Teile seines Lebenswerks ansich eignen zu wollen.

Weiter heisst es u.a. in der PM: "Dass er das Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften an der J.W.Goethe-Universität in Frankfurt gegründet hat, findet im Online-Auftritt der Universität nicht mal eine Erwähnung....Sein Leben als Wissenschaftler wurde am 12. Mai 2017 mutwillig beendet, als man ihm den Zugang zu seinem Schreibtisch und seinen Büchern verwehrte.

Man nahm ihm das handgeschriebene Manuskript des aktuell in Arbeit befindlichen Buches (zur Geschichte der arabischen Philosophie im Mittelalter) sowie seine Notizen und Vorarbeiten weg und gab sie ihm bis zu seinem Tode nicht zurück. Auch zweifelte man öffentlich seine Eigentümerschaft an den in Jahrzehnten gesammelten Büchern an. Die Familie wurde durch dieses uns nicht nachvollziehbare Verhalten der Stiftung und Behörden gezwungen, mehrere Rechtsstreitigkeiten zu führen, die noch immer andauern."


Allah hat ihn zu Sich genommen in Seiner Barmherzigkeit. ÇöäóøÇ ááåö æó ÇöäöøÇ Çöáóíúåö ÑóÇÌöÚõæä





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