Newsnational Sonntag, 26.03.2006 |  Drucken

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Minarette über Köln - das Stadtbild wird bereichert. Von Salih Michael Gassner

Kölner Muslime wollten eine repräsentative Zentralmoschee bauen – was ist aus dem Vorhaben und seinem Trägerverein geworden?

Köln hat aktuell etwa 45 Gebetsräume. Der erste wurde bereits in den 1960er Jahren zwischen Universität und Barbarossaplatz auf einen Hinterhof eingerichtet und besteht dort noch heute. Die zweitälteste Kölner Moschee, im rechtsrheinischen Mühlheim, ist sehr klein und unscheinbar, aber hat eine gemütliche Holzvertäfelung. Heute leben in Köln über 100.000 Muslime. Dieser Zuwachs war dem Rat der Stadt Köln bewusst und so wurde vor etwa fünf Jahren beschlossen, dass die Muslime eine repräsentativen Moschee bauen sollen. Die Stadtverwaltung war aufgefordert, hierfür jeweils geeignete Grundstücke auszuweisen.

Es wurde ein recht kostenträchtiger Bauplatz in Chorweiler benannt. Das ist ein Stadtteil, der zwischen Köln-Zentrum und Leverkusen liegt, also kaum für alle erreichbar und offenkundig nicht geeignet für eine Zentralmoschee. Da aber auch die etwa 10.000 Muslime jenes Stadtteils am Rande von Köln seit Jahren nach einem geeigneten Gebetsraum suchten, bot sich damit wenigstens für sie eine Lösung an. Es entsteht nun dort eine türkische Moschee, die D.I.T.I.B. angeschlossen ist und zusätzlich noch mit Vereinsnebenräumen ausgestattet wird.

An dieser Stelle ein Wort zu D.I.T.I.B., der türkisch-staatlichen Organisation mit einigen hundert Moscheen bundesweit: Als Mitinitiator des Trägervereins "Kölner Zentralmoschee e.V.", eines Zusammenschlusses von über zehn Kölner muslimischen Vereinigungen zum Zwecke der Errichtung einer Zentralmoschee für alle Nationalitäten, begrüße ich sehr, dass die türkische Bundeszentrale, die in Köln-Ehrenfeld bislang in einem ehemaligen Fabrikgelände an der Venloer Straße ihren bescheidenen Sitz hat, endlich ein repräsentatives und auch als Moschee erkennbares Objekt errichten wird.

Nach mehreren öffentlichen Diskussionen wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, der von dem Kirchenbauer Paul Böhm und Prof. Gottfried Böhm aus Köln gewonnen wurde: Eine klar strukturierte, deutlich erkennbare Moschee mit zwei Minaretten und einer Kuppel, also erstmalig eine Moschee, die auch als solche erkennbar ist, wird die Vielfalt der Stadt Köln und ihre Weltoffenheit repräsentieren.

Was wird nun aber aus der Idee einer Zentralmoschee für alle? In öffentlichen Diskussionen und Gesprächen mit der Politik hat sich die Meinung wohl dahingehend entwickelt, neben der Gebetsstätte der D.I.T.I.B im Linksrheinischen, eine weitere repräsentative Moschee im Rechtsrheinischen zu errichten.

Der Trägerverein, der „Kölner Zentralmoschee e.V.“ hat sich nun diesem Ziel verschrieben. Das ist eine große Herausforderung. Geeignete Grundstücke kommen nur dann in Frage, wenn diese nachbarschaftlich vertretbar sind, d.h. die Verkehrssituation darf bei aller Erreichbarkeit nicht zur Belastung werden.

Die Finanzierung eines solchen Vorhabens muss auf soliden Füßen stehen: Vielen Immobilienprojekten, die neu geplant werden, fehlt es an sogenannter Besucherfrequenz. Das würde ein Moscheebau automatisch mit sich bringen. Es würde sich eine geeignete Randbebauung mit Geschäften, Wohnungen und/oder produzierenden Betrieben anbieten, in Abhängigkeit vom jeweiligen Bebauungsrecht. Diese Randbebauung könnte gleichzeitig auch eine gewisse Distanz zur Nachbarschaft herstellen, damit sich die etwaige Verkehrsbelastung nicht nachteilig auswirkt. Spenden sind für das Vorhaben übrigens willkommen. Geachtet wird jedoch auf die Bedingungen und die gewahrte Unabhängigkeit in der Sache; natürlich immer in Abstimmung mit den zuständigen Behörden im In- und Ausland.

Inhaltlich steht die "Kölner Zentralmoschee e.V." für eine in Köln selbst verwaltete und inhaltlich gestaltete Arbeit im Rahmen des Grundgesetzes und in Verantwortung vor der Gesellschaft. Zentrale Punkte sind dabei die Jugend- und Frauenarbeit, wofür sich unsere Vorsitzende, eine deutsche Muslima, besonders einsetzt. Wichtig ist uns neben der religiösen Bildungsarbeit auch die Förderung der Jugend in Hinblick auf Berufsfindung und Förderung des Bildungsniveaus. Es geht um eine bessere Beherrschung der deutschen Sprache, aber auch um das Erlernens von Fremdsprachen, wichtig in einem multikulturellen Zentrum wie Köln.. Wir möchten, dass die Freitagspredigt in deutscher Sprache gehalten wird, denn damit könnten wir alle Kölner Muslime erreichen, egal welcher Herkunft sie sind.

Jedes Immobilienprojekt in Köln ist eine Geduldsprobe. Der Kölner Mediapark brauchte bis zur endgültigen Fertigstellung 15 Jahre. Der Bau einer Zentralmoschee, an der sich alle beteiligen können, wird auch noch einige Zeit benötigen. Eine zügige Umsetzung wäre zwar wünschenswert, jedoch brauchen große Vorhaben einfach erhebliche Zeit. Sicher kommen den Trägerverein die Erfahrungen beim Bau der D.I.T.I.B.-Moschee auf dem Gelände ihrer Zentrale zu einem späteren Zeitpunkt direkt oder indirekt zu Gute. Zur Architektur der D.I.T.I.B-Moschee widmet der Bundesverband Deutscher Architekten am Montag, den 27. März um 19.00 Uhr sein traditionelles Montagsgespräch, zwecks Vorstellung der fünf preisgekrönten Wettbewerbsbeiträge. Ein wichtiger Schritt zur deutschen Moscheearchitektur.


Michael Saleh Gassner ist Mitiniator des Trägervereins "Kölner Zentralmoschee e.V.". Hauptberuflich berät der Diplomkaufmann Banken zum Thema Islamic Finance und lebt in Köln und Dubai.




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